Schmökern...

Das Gewicht des Lebens

Ein junger Mann kam zu einem alten Weisen.

"Meister", sprach er mit schleppender Stimme, "das Leben liegt mir wie eine Last auf den Schultern. Es drückt mich zu Boden und ich habe das Gefühl, unter diesem Gewicht zusammenzubrechen."

"Mein Sohn", sagte der Alte mit einem liebevollen Lächeln, "das Leben ist leicht wie einer Feder."

"Meister, bei allem Respekt, aber hier musst Du irren. Denn ich spüre mein Leben Tag für Tag wie eine tonnenschwere Last auf mir lasten. Sag, was kann ich tun?"

"Wir sind es selbst, die uns Last auf unsere Schultern laden." sagte der Alte, noch immer lächelnd.

"Aber ..." wollte der junge Mann einwenden.

Doch der alte Mann hob die Hand: "Dieses "Aber", mein Sohn, wiegt allein schon eine Tonne."

(Quelle unbekannt)


Die Menschen machen weite Reisen, um zu staunen:
über die Höhe der Berge, über riesige Wellen des Meeres,
über die Länge der Flüsse, über die Weite des Ozeans
und über die Kreisbewegung der Sterne.
An sich selbst aber gehen sie vorbei, ohne zu staunen.
Aurelius Augustinus


How to be an artist - Joseph Beuys

Lasse dich fallen. Lerne Schlangen zu beobachten.

Pflanze unmögliche Gärten.

Lade jemand Gefährlichen zum Tee ein.

Mache kleine Zeichen, die „ja“ sagen und

Verteile sie überall in deinem Haus.

Werde ein Freund von Freiheit und Unsicherheit.

Freue dich auf Träume. Weine bei Kinofilmen.

Schaukel so hoch du kannst

mit einer Schaukel bei Mondlicht.

Pflege verschiedene Stimmungen.

Verweigere dich „verantwortlich“ zu sein.

Tue es aus Liebe.

Mache eine Menge Nickerchen.

Gib weiter Geld aus. Mache es jetzt. Das Geld wird folgen.

Glaube an Zauberei. Lache eine Menge.

Bade im Mondlicht.

Träume wilde, phantastische Träume.

Zeichne auf die Wände. Lies jeden Tag.

Stell dir vor, du wärst verzaubert. Kichere mit Kindern.

Höre alten Leuten zu. Öffne dich. Tauche ein.

 

Sei frei. Preise dich selbst.

Lass die Angst fallen.

Spiele mit allem.

Unterhalte das Kind in dir.

Du bist unschuldig.

Baue eine Burg aus Decken.

Werde nass.

Umarme Bäume.

Schreibe Liebesbriefe.

... und ich sage: Tanze so viel wie möglich.



Über Konditionierung: Ein Beispiel mit Affen und Bananen

Amerikanische Wissenschaftler haben vier Affen zu Forschungszwecken in einen Käfig gesperrt. In diesem Käfig stand ein Pfahl, an dessen Spitze Bananen angebracht waren. Immer wenn ein Affe versuchte, an diese Bananen zu gelangen, wurde er von den Wissenschaftlern mit einem eiskalten Wasserstrahl daran gehindert.

Das geschah so lange, bis die Affen verstanden hatten, dass sie die Bananen nicht erreichen konnten. Sie hatten gelernt, dass es sinnlos war, es überhaupt nur zu versuchen.

Dann tauschten die Wissenschaftler einen Affen aus. Dieser wollte sofort auf den Pfahl zu den Bananen. Aber die "wissenden" Affen hinderten ihn sowohl "verbal" als auch mit körperlichem Einsatz so lange daran, bis er aufgab.

Schrittweise tauschten die Wissenschaftler einen nach dem anderen Affen aus, bis schließlich keiner der Affen im Käfig war, der selbst mit einem Wasserstrahl Bekanntschaft gemacht hatte. Zudem hatten die Wissenschaftler die kalte Dusche längst abgebaut.

Trotzdem versuchten die Affen nicht mehr, den Pfahl zu besteigen und die Bananen runterzuholen. Sie hatten ihre Lektion gelernt - von ihren Vorgängern.

 


Zwillinge im Mutterleib unterhalten sich

Im Mutterleib wuchsen Zwillinge heran. In dem Maße wie ihr Bewusstsein, stieg auch ihre Freude: „Ist es nicht wunderbar, dass wir leben?“, sagte eines Tages der eine zum anderen.

„Oh ja“, meinte der Angesprochene, und plantschte ein wenig mit seinen kleinen Händchen durch das Wasser, in dem sie schwammen.

Die Zwillinge begannen im Laufe der Zeit ihre Welt zu entdecken. Dabei fanden sie auch die Schnur, die sie mit ihrer Mutter verband und ihnen Nahrung gab.

Beglückt sagten sie: „Wie groß ist doch die Liebe unserer Mutter, dass sie ihr eigenes Leben mit uns teilt!“ So vergingen die Wochen und sie bemerkten, wie sie sich veränderten.

„Was bedeutet es, dass wir uns im Laufe der Zeit so verändern?“ fragte der eine den anderen.

Der antwortete: „Das bedeutet, dass unser Aufenthalt in dieser Welt bald dem Ende zugeht.“

„Aber ich will doch gar nicht gehen,“ entgegnete der zweite, und fügte hinzu:

“Glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?"

“Ja, das gibt es. Unser Leben hier ist nur dazu gedacht, dass wir wachsen und uns auf das Leben nach der Geburt vorbereiten, damit wir stark genug sind für das, was uns erwartet."

“Blödsinn, das gibt es doch nicht. Wie soll denn das überhaupt aussehen, ein Leben nach der Geburt?".

“Das weiß ich auch nicht so genau. Aber es wird sicher heller als hier sein. Und vielleicht werden wir herumlaufen und mit dem Mund essen?".

“So ein Unsinn! Herumlaufen, das geht doch gar nicht. Und mit dem Mund essen, so eine komische Idee! Es gibt doch eine Nabelschnur, die uns ernährt und die ist ja jetzt schon zu kurz zum Herumlaufen.“

“Doch es geht ganz bestimmt. Es wird eben alles nur ein bisschen anders!".

„Wir werden unsere Lebensschnur verlieren. Wie aber sollen wir ohne sie leben? Vielleicht haben andere vor uns schon diesen Mutterschoß verlassen, doch keiner von ihnen ist zurückgekommen und hat uns gesagt, dass es ein Leben nach der Geburt gibt. Nein, die Geburt ist das Ende, da bin ich mir ganz sicher!“

“Es ist noch nie einer zurückgekommen von “nach der Geburt“. Mit der Geburt ist das Leben zu Ende, danach ist alles dunkel und Quälerei“.

 

So fiel der eine, der Pessimistische von beiden, in einen tiefen Kummer und sagte: „Wenn die Empfängnis mit der Geburt endet, welchen Sinn hat dann das Leben im Mutterschoß? Es ist sinnlos. Vielleicht gibt es gar keine Mutter?“

„Aber sie muss doch existieren“, protestierte der andere, „wie sollten wir sonst hierhergekommen sein? Und wie könnten wir am Leben bleiben?“

“Auch wenn ich nicht genau weiß, wie das Leben nach der Geburt aussieht, jedenfalls werden wir dann unsere Mutter sehen und sie wird für uns sorgen“.

“Mutter? Du glaubst an eine Mutter? Sag mir, hast du je unsere Mutter gesehen?“ fragte der erste, „Möglicherweise lebt sie nur in unserer Vorstellung, und wir haben sie uns bloß ausgedacht, damit wir unser Leben dann besser verstehen können. Wo ist sie denn bitte?"

“Na hier, überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie können wir gar nicht sein“.

“Quatsch! Von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also gibt es sie auch nicht“.

Doch manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören. Oder spüren, wenn sie unsere Welt streichelt…“

So waren die letzten Tage im Schoß der Mutter gefüllt mit vielen Fragen und großen Ängsten. Schließlich kam der Moment der Geburt. Als die Zwillinge ihre Welt verlassen hatten, öffneten sie die Augen und was sie sahen, übertraf ihre kühnsten Träume und Vorstellungen.

 


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Susan Abulhawa: "Während die Welt schlief" (Jenin im Blumenmonat April: Frühmorgens, bevor die Welt um sie herum erwacht, liest Amals Vater ihr aus den Werken großer Dichter vor. Es sind Momente des Friedens und des Glücks, die Amal ihr Leben lang im Herzen trägt ― ein Leben, das im Flüchtlingslager beginnt, nach Amerika führt und dennoch stets geprägt ist vom scheinbar ausweglosen Konflikt zwischen Israel und Palästina. 

Über vier Generationen erzählt Susan Abulhawa eine tief berührende Geschichte über den Verlust der Heimat, eine zerrissene Familie und die immerwährende Hoffnung auf Versöhnung.)